Privatisierung

Ein sehr wichtiger, weitere Entwicklung der Stahlindustrie in der Tschechischen Republik unmittelbar beeinflussender Faktor war und ist weiterhin die Privatisierung. Die Beziehung zwischen Privatisierung und Strukturveränderung (und ihre Lösung) samt der diskutierten Rolle des Staates war von grundlegender Bedeutung. Seit dem Jahre 1993 erhielt im Geiste der Regierungserklärung die Priorität die Privatisierung damit, daß neue transparente Besitzer imstande sein werden, die Strukturveränderung zu verwirklichen.

Für die Hüttenbetriebe hat dieser Weg eine Reihe von Engpässen und die Praxis, insbesondere der Jahre 1993-1995, bestätigte diese Engpässe durch Erfolglosigkeit der Privatisierung infolge der Unterschätzung der Kriterien und Bedingungen der öffentlichen Konkurse (der angebotene Preis muß nicht bei weitem die Qualität des Busineß-Plans charakterisieren) aber auch durch nicht ganz qualitative Legislative (z.B. Kontrolle der Realisierung, Engpässe der Privatisierung und negative Beispiele).

Trotzdem sich in der Privatisierung der Stahlindustrie bereits selbst der Fakt negativ bemerkbar machte, daß Privatisierung dieses Zweiges der industriellen Produktion allgemein schwieriger ist, und zwar insbesondere aus der Sicht des beträchtlichen Kapitalvolumens, kann man konstatieren, daß diese Privatisierung bei einer Reihe von Unternehmen zu laufen begann und realisiert wurde. In der Slowakischen Republik war diese durch Kuponprivatisierung praktisch gelöst. Im tschechischen Hüttenwesen kam die Kuponprivatisierung an die Reihe erst in der sog. 2. Runde im Jahre 1994. Die Regierung nahm Rücksicht auf die Meinung, daß es nicht zweckmäßig ist, die Stahlindustrie - insbesondere ihre Grundbetriebe bei den Kombinaten - unter Zehntausende kleiner Aktieninhaber vermögensmäßig völlig zu zersplittern, und deshalb wurde auch für die verlaufende 2. Runde der Anteil von ca. 30 % des Vermögens dieser Unternehmen bestimmt. Die Standardmethoden der Privatisierung sind jedoch für Hüttenwesen von Bedeutung, da sie Privatisierung mit Strukturveränderung vereinigen, was für die gegenwärtige Situation des Hüttenwesens nötig ist.

In kleineren aber auch in größeren Unternehmen kam es bereits zum „Schlankwerden“ (outsourcing) durch Abtrennung einer ganzen Reihe der Aktivitäten und zu deren Privatisierung. Die Unternehmen wurden organisationsmäßig (auch mit Erreichung der rechtlichen Subjektivität) aufgegliedert und allgemein sind „schlank geworden“.

Die angewendeten Privatisierungsmethoden haben mit sich manchmal auch Probleme gebracht. Insbesondere der Aspekt hoher Privatisierungspreise oberhalb des Nominalpreises der Aktien (manchmal auch mehr als zweifach) belastete unerträglich die Unternehmen, verschlechterte nicht nur deren Wettbewerbsfähigkeit sondern auch bedrohte manchmal selbst die Existenz des Unternehmens. Als Beispiel kann man Poldi ocel, Válcovny trub Chomutov anführen.

Was aber bei der Privatisierung wesentlich ist, ist der Fakt, ob die Privatisierung dem Unternehmen nicht nur die Finanzierungsquellen sondern auch notwendige Strukturveränderung bringen wird.

Unser Außenbankmarkt und damit verbundene schwierige Gewinnung der primären sowie sekundären Quellen (Ausgabe der Aktien, Obligationen u.a.) befinden sich im Anfangsstadium. Die ersten Schritte wurden bereits gemacht (Obligationen der Gesellschaften VÍTKOVICE, a.s., Nová hut, a.s., Trinecké železárny, a.s.), für die Bedürfnisse der Strukturveränderung reicht es jedoch nicht.

Betreffend den bisherigen Verlauf der Privatisierung der Stahlindustrie kann man konstatieren, daß der Verkauf der Unternehmen vorläufig auf dem Wege des Verkaufs einem Besitzer realisiert wurde, wie seine rechtliche Form auch immer sein mag. Bei den großen integrierten Einheiten ist es selbstverständlich ein Problem, einen solchen Interessenten überhaupt zu finden. Deshalb hat die Regierung entschieden, bei beiden bisher nur teilweise privatisierten integrierten Unternehmen (VÍTKOVICE, a.s. und Nová huT, a.s.) ein neues Privatisierungsverfahren anzuwenden, das auf dem an Erfüllung der Aufgaben der Strukturveränderung gebundenen Vorkaufsrecht des jetzigen Managements in Höhe von 1 + 10 % gegründet ist. Die sich aus der Privatisierung ergebende ausländische Kapitalbeteiligung ist in den tschechischen Stahlwerken gering. Vom Gesichtspunkt der Beteiligung ist sie nur bei Sandvik Precision Tubes und ŽDB bedeutend.

Jetzigen Zustand der Privatisierung kann man folgendermaßen rekapitulieren:

Vollprivatisiert:

Name
Sitz
Poldi Ocel (im Konkursverfahren)Kladno
VT - DIOSS Chomutov, s.r.o.Chomutov
SANDVIK Precision Tubes, LtdChomutov
Králodvorské železárny, a.s.Králùv Dvůr
ŽDB, s.r.o.Bohumín
Trinecké železárny, a.s.Trinec (integriertes Unternehmen)
Železárny Hrádek, a.s.Hrádek
Železárny Chomutov, a.s.Chomutov
Železárny Veselí, a.s.Veselí nad Moravou
Hanácké železárny a pérovny, a.s.Prostejov

Teilweise privatisiert

VÍTKOVICE, a.s.Ostrava (integriertes Unternehmen)
Nová hut, a.s.Ostrava (integriertes Unternehmen)
Válcovny plechu, a.s.Frýdek-Místek