Stahl und Stahlindustrie an der Schwelle des 21. Jahrhunderts
In der Terminologie der wirtschaftlichen Kategorien tritt Stahlherstellung bis heute als ein Zweig der Grundproduktion oder der Schwerindustrie auf. Stahlgewicht ist zwar hoch, Vervollkommnung der qualitativen Parameter führt jedoch bei deren Verarbeitung zu nachfolgenden Erzeugnissen zu immer leichteren Ausführungen und die Skala der Bewertung des Erzeugungssortiments endet bei derzeitigem Hi-Tech-Niveau auf 500-fachem des Preises des üblichen kommerziellen Stahls. Stahl wird ohne Zweifel auch in das 21. Jahrhundert als meist bedeutendes und meist universal anwendbares Material eintreten.
Man kann sagen, daß wo Fortschritt ist,
Stahl in seiner breiten Erzeugnis- und Qualitätsskala erzeugt und
angewendet wird und wo er noch nicht erzeugt wird, wird er trotzdem
als unentbehrlich angewendet und es besteht ein Bestreben dessen
Erzeugung einzuführen. Es ist eben die ungewöhnliche und dauernde
eingeborene Fähigkeit des Stahls in Form dessen unerschöpflichen
Reichtums des Potentials der Entwicklung der Erzeugnisse,
Technologien sowie der kommerziellen Bedienungfähigkeit, die dem
Stahl ermöglicht, sich nicht nur seine Positionen eines der meist
grundlegenden Materialien zu erhalten, sondern auch immer neue
Sphären der Ausnutzbarkeit durchzusetzen. Für eigentliche
Ausnutzung dieses Potentials müssen sich jedoch die Managements der
Stahlindustrie, Forschung, Entwicklung sowie die Organisationen vom
Typ eines wirtschaftlichen Zweigverbandes einsetzen.
Bevor wir die Grundinformation über die gegenwärtige Situation der Stahlindustrie in der Tschechischen Republik und deren vorausgesehene Entwicklung angeben, führen wir einige heute bereits weltweite Standardparameter der Gestaltung des Images der Stahlindustrie am Ende dieses Jahrtausends und Trends deren Entwicklung im 21. Jahrhundert an.
Trotzdem Stahl ein der massenhaftesten Erzeugnisse ist, ist die Konzentration der Lenkung und Beherrschung seiner Erzeugung im Vergleich mit anderen Bereichen, wie z.B. Aluminiumerzeugung, Kfz-Herstellung, Chemie, wesentlich niedriger. Das hat mehr oder weniger historische Wurzeln, da Stahlindustrie praktisch weltweit eine lange Zeit vom Gesichtspunkt des Materialhinterlandes mancher weiterer Zweige, vom Gesichtspunkt der Verteidigung und Beschäftigungslage auf den Prinzipen eines wichtigen volkswirtschaftlichen Zweiges und deswegen auch oft mit großem Anteil des Staates gebaut wurde. Seit achtziger Jahren trat hier ganz deutliche Tendenz zu Privatisierung an. Unter dem Einfluß der Globalisierung des Stahlmarktes und sich immer mehr ausprägenden Konkurrenz überschreiten die Bedürfnisse der Entwicklung der Stahlindustrie in einzelnen Ländern finanzielle Möglichkeiten der inländischen Investoren und so kommt es zu ihrer Internationalisierung. Stahlindustrie verliert so mehr und mehr den ausgeprägten nationalen Charakter und damit auch strategische Bedeutung der gewesenen Auffassung.
Die Stahlerzeugnisse sind ein traditioneller Artikel des Außenhandels und nur wenige Stahlhersteller in der Welt mit Ausnahme von einigen Ländern südöstlichen Asien können sich den Luxus gönnen, nur nach ihr Land zu liefern. 60%-ige Abhängigkeit der Produktion vom Export ist in der Stahlindustrie nichts außergewöhnliches. Das betrifft die Stahlwerke in der Tschechischen Republik in vollem Maß.
Ein weiteres bedeutendes Element der Änderung ist einerseits Investierung in die Stahl verarbeitenden Aktivitäten, d.i. die sog. stromabwärtigen Aktivitäten und andererseits deutliche.
Differenzierung der Stahlproduktion zwischen den entwickelten und den sich entwickelnden Ländern, die in der Orientierung der entwickelten Staaten auf mehr anspruchsvolles Sortiment der Produktion besteht, wo es möglich ist, hohes Lohnniveau aufzuwerten. Der Sprühregen von Joint Ventures, wodurch Kapitaldurchschaltung unabhängig von staatlichen Grenzen schon lange her realisiert wird, wird durch mehr markante Tendenz der Gründung von sog. strategischen Allianzen aufgesogen. Darin geht es nicht mehr nur um Joint Ventures als eine Form der Kapitaldurchdringung auf ausländische Märkte, sondern um ein vielgliedriges Trend der Strategien der Lösung weiterer Existenz der Stahlindustrie unter den Bedingungen der Marktglobalisierung, des Wettbewerbsanstiegs und der Internationalisierung der Eigentumsstrukturen. Deren Bestandteil sind z.B. Tendenzen, Export in die für Unternehmen und Aufwertung des Kapitals günstigen Territorien aufzugeben und lieber in diesen Territorien Erzeugungskapazitäten zu bauen oder die Ausstattung für einige Endoperationen wie Metallüberziehung, Längeadjustage loszuwerden und diese den Serviszentren überlassen, die es mehr effektiv bewältigen.
Nicht unerheblich sind auch die ökonomischen Vorteile des Stahls. Stahl ist vielleicht einziges Material, dessen Weltpreis sich in den letzten zehn Jahren nach allgemeinem Anstieg des Preisniveaus der Rohstoffe, Energie, menschlichen Arbeit und Lebenshaltungskosten nicht gerichtet hat. Sogar auch trotz erhöhten Investitionen in die Ökologisierung der Hüttenproduktion wird Stahl heute für niedrigeren Preis verkauft. Er ist also preismäßig ein sehr günstiges Material, und zwar auch in einigen, früher sehr kostspieligen Sorten, wie zum Beispiel rostfreier Stahl, dessen Anteil in der Sortimentenstruktur der entwickelten Länder beachtenswert steigt.
Es wird weniger Stahl als bisher benutzt aber in höherer Qualitätsklasse. Gewöhnen wir uns daran, daß niedrigeren Bedarf an jedwedem Material nicht nur infolge Krisen- und Stagnationserscheinungen des Produktionszweiges hervorgerufen werden muß, sondern auch infolge Erhöhung der Qualität des produzierten Materials.
Während Stahl derzeit aus 55 % rezykliert ist, ist dieser Anteil beim Glas 45 %, beim Papier 35 %, im Falle des Aluminiums bloß 27 % und es wird nur 10 % der Plaststoffe rezykliert. Die künftigen Möglichkeiten weiteren Anstiegs der Stahlrecycling sind unbestritten und vorherrschend.
Die Reihen der Stahlwerke im staatlichen Besitz in Europa werden sich nach realisierter Privatisierung beträchtlich verringern. Das gilt auch weltweit und man kann sagen, daß die Meinungen über die Ausnahmestellung der Stahlindustrie als eines strategischen Zweiges sowie eines stabile Arbeitsplätze bildenden und aus diesem Grunde besondere Aufmerksamkeit seitens des Staates erfordernden Zweiges sich praktisch zerrinnen. Das zeigt auch die Tatsache, daß ein der größten internationalen Abkommen, Abkommen über Montanunion, das knapp nach Eintritt in das 21. Jahrhundert ablaufen wird, hat kaum die Chance erneuert zu werden. Trotzdem diskutieren die westeuropäischen Stahlhersteller intensiv darüber, ob einige Bestimmungen und Prinzipen weiter behalten werden sollen. Eindeutiger Beweis dessen, daß Stahlindustrie immer in einigen Gebieten die Hilfe des Staates, mit Segen z.B. von der EU- Kommission, benötigt, ist Aktualisierung des sog. Hilfekodexes, die in der EU ab 1.1.1997 gilt.
Die Stahlindustrie tritt in eine ganz neue Marktumgebung ein, wo die vorherrschende Rolle des Erzeugers unterdrückt und durch den Verbraucher ersetzt wird. Überleben in der schnell ändernden Marktumgebung wird von den Fähigkeiten abhängen, engere Partnerschaft mit den Verbrauchern - Kunden zu schaffen.
Verschiedene Abkommen betreffend Geschäft mit Stahlerzeugnissen verfolgten das Ziel, in den Stahlmarkt ein System der Regelung einzubringen. Kein von diesen hat sich jedoch für die Dauer durchgesetzt. Die Sache verhält sich aber anders mit den Grundprinzipen dieser Abkommen, die bis heute geltend gemacht werden und eher nur neue Formen erhalten, die in der Gegenwart auf den Prinzipen von Dumping-Praktiken und Ausgleichsmaßnahmen (sog. countervailing) gebaut werden, deren Wurzeln bis zum Jahre 1916 in die USA reichen, was die Handelslegislative betrifft.
Aus unserer eigenen Historie können wir hier darauf hinweisen, daß z.B. im ganzen Österreich-Ungarn freier Handel mit Schmiedeeisen, Stahl und Stahlware im Jahre 1781 und derjenige mit Roheisen erst im Jahre 1834 eingeführt wurde. Die Zollpolitik der österreichischen Staatsverwaltung schützte jedoch weiterhin Eisenhüttenwesen vor der Auslandskonkurrenz und erleichterte die Ausfuhr österreichischen Stahls und tschechischer Gußeisenware.
Beständiges Problem und Apfel der Zwietracht sind Gegenimportschutzmaßnahmen. Diese lehnen sich an die Legislative einzelner Staaten und deren Grundmotiv ist, eigene Wirtschaftssubjekte zu schützen. Sie berufen sich auf die angenommenen Regeln der WTO (Welthandelsorganisation) als Fortsetzer von GATT betreffend Liberalisierung und Fair play-Regeln im Handel. Sie sind jedoch in manchen Richtungen auch mit Verlegenheit angenommen, da sie wie jede andere Regel mißbraucht werden können. Häufiges Argument gegen diese Maßnahmen, was Stahl betrifft, sind die Anschauungen dessen Verarbeiter, die dadurch opponieren, daß die Stahlindustrie um den Preis der Erniedrigung der Wettbewerbsfähigkeit deren Verarbeiter geschützt wird. Die Situation verschärfte sich nach Ablauf des Abkommens VRA (Voluntary Restraint Agreement), das die freiwilligen Beschränkungen des Exports in die USA definiert hat. Die Bestrebungen, die Liberalisationsregeln im Stahlhandel in Form eines weiteren Abkommens, sog. MSA (Multilateral Steel Agreement), zu finden, scheitern vor allem an der Unfähigkeit, die bereits realisierten Subventionen für Stahlindustrie, sog. grandfathering, zu tolerieren. Gewissermaßen mehr erfolgreich sind die Verhandlungen über das sog. MSSA-Abkommen (Multilateral Special Steel Agreement) fortgeschritten, das den Bereich der Sonderstähle betrifft. Die Wiege der Dumpingregelung des Handels sind die Vereinigten Staaten und sie setzen diese Praxis sogar mit Berufung auf ihr Gesetz vom Jahre 1916 durch. Die Praxis der Schutzmaßnahmen kennt zwei Dimensionen der Geltendmachung. Eine ist Dumping, vereinfacht als Verkauf im Ausland unter den inländischen Verkaufspreisen definiert (klassisch definiert als Verkauf unter den Produktionskosten). Die zweite ist sog. countervailing (Antisubvention bzw Ausgleichsmaßnahmen), d.i. wieder vereinfacht gesagt Gegenwehr gegen Handeln der Subjekte, die subventioniert sind. Trotzdem der Gedanke rationell ist, ist dessen Realisierung schwierig, dessen Beweiskraft wird oft in Zweifel gestellt und so opponiert, daß es potentielle und auch real ausgenutzte legalisierte Form des Protektionismus ist. Hier kann bereits vorausgeschickt werden, daß Stahlexport aus der Tschechischen Republik sowie aus der Slowakischen Republik in die geographisch sehr gut situierten EU-Länder, insbesondere die BRD, durch ein beiderseitig abgestimmtes Regelungsregime geregelt wird. Für die sog. empfindlichen Posten wird auf Limitierung und Monitoring des Handels mit diesen Posten sowohl bei uns als auch im Land des Importes gegründetes Duallizenzsystem vereinbart und praktiziert. Um so mehr aktuelle Drohung kann jedoch Bestreben der Erzeuger in einigen Ländern sein, die Beschränkungen des Volumens durch Dumpingklagen zu ersetzen. Diese sind im heutigen Stahlhandel regsam ausgenutzt und deren Folge kann Bestimmung des Strafzolls in der Höhe sein, wo es nicht mehr möglich sein wird, das betreffende Erzeugnis effektiv auszuführen. Dieser Zoll kann auch für die Dauer von mehr als 5 Jahren auferlegt werden. Im weltweiten Maßstab haben in ihre Handelslegislative die Dumpinggesetze einschl. der institutionellen Sicherung deren Realisierung mehr als 50 Länder eingeschlossen (potentielle Möglichkeit der Ausnutzung haben mehr als 100 Länder). Auch die Tschechische Republik wird diese Legislative durchsetzen. Die Tschechische Republik und die Slowakische Republik sind vom Gesichtspunkt der gegen diese erhobenen Klagen weit hinten in der Häufigkeitsrangliste. Die Gesetzgeber bemühen sich, die zur Verkündung des Dumpings erforderliche Zeit zu verkürzen und die Prozeduren zum Nachweisen dessen Gründe zu vereinfachen.
Aus der langfristigen Entwicklung der Volumina der Stahlherstellung kann man feststellen, daß die Bedingungen der Situation der Stahlwerke in Abhängigkeit von der Marktsituation in Zyklen von der Hochkonjunktur zum Zustand verlaufen, den man als Krisenzustand bezeichnen kann. Es zeigt sich, daß sich die Länge eines Zyklus in der Regel zwischen 4 bis 6 Jahren bewegt. Der vorletzte Schrumpfungssattel, der insbesondere Europa und Japan traf, stürzte viele Unternehmen in diesen Regionen in Verlust, während unsere Stahlwerke infolge Bewältigung großer Ausfuhrvolumina und mit Ausnutzung der zeitweiligen komparativen Vorteile in der Profitzone blieben. Wenn wir in die Aufzählung die letzte Schrumpfung der Nachfrage miteinrechnen, von der sich die Stahlindustrie fast in der ganzen Welt im vorigen Jahr erholte, dann waren bereits 13 nach dem zweiten Weltkrieg.




