Stahlindustrie in der Tschechoslowakischen Föderativen Republik
Im Jahre 1989 wurde in der Tschechoslowakischen Föderativen Republik 15,5 Mio. t Stahl, im Jahre 1990 14,9 Mio. t und im Jahre 1991 12,1 Mio. t Stahl produziert. Im Jahre 1991 wurden 4 Mio. t Walzgut und 495 Tsd t Rohre exportiert. Export ist in der augenblicklichen Lage zum Weg der Kompensation des Rückganges der Binnennachfrage geworden.
Bei Warenproduktion 117 Mrd. CZK
erwirtschafteten die Hüttenbetriebe im Jahre 1991 den Bilanzgewinn
von fast 10 Mrd. CZK. Zwischen den Jahren 1990 und 1991 kam es
infolge der Preisliberalisierung zu großem Preisanstieg sowohl auf
der Inputseite als auch auf der Outputseite. Das Hüttenwesen
erhielt keine finanzielle Unterstützung. Alle Unternehmen wurden in
staatliche Aktiengesellschaften transformiert. Dadurch wurden
Ausgangsvoraussetzungen für deren Privatisierung geschaffen.
Mit der Erzeugung von Stahl, Walzgut oder Rohren befaßten sich in der Tschechoslowakischen Föderativen Republik 14 entscheidende Herstellungsorganisationen und daneben eine Reihe von Kleinerzeugern.
Trotz allen diesen Problemen hatte Stahlindustrie bereits am Anfang der Transformation Voraussetzungen für weitere Existenz nicht nur vom Gesichtspunkt des heimischen Marktes sondern auch vom Gesichtspunkt der internationalen Arbeitsteilung. Sie hatte eine Reihe von Erzeugungsanlagen auf dem europäischen technisch-ökonomischen Niveau, in der Vergangenheit brachte sie zustande so anspruchsvolle Probleme zu lösen, wie technologische Bewältigung der Verarbeitung der bereits angeführten Erze niedrigerer Qualität, Rekonstruktion der SM-Öfen auf Tandemöfen, es wurde Stahlherstellungstechnologie Oxyvit entwickelt u.a.
Im Zusammenhang mit der
ökonomischen Effektivität müssen wir komparative Vorteile des
vorübergehenden Charakters betonen.
Das Erbe nach dem vorherigen System der planmäßigen Leitung ist niedrigeres Niveau des Anteils der Personalkosten, das einerseits allgemein niedrigeres Niveau der Ökonomik (mit Bildung des Bruttosozialproduktes je Bewohner aggregat gemessen) abspiegelte, andererseits auf höherem Maß der Umverteilung und der sog. gesellschaftlichen Konsumtion gegründet wurde. Nicht eindeutige Wirkung hat niedrigerer Anteil der Abschreibungen an den Kosten der Hüttenproduktion, der durch Nichtumbewertung des Anlagevermögens auf dessen Reproduktionsniveau im Rahmen der Preisliberalisation gegeben wurde. Niedrigere Kosten sind hier ebenfalls durch niedrigere Bildung der Finanzquellen erkauft.
Gegenüber der Ökologie hatte die Stahlindustrie Verpflichtungen im vernachlässigten Investieren in Höhe von mindestens 15 Mrd. CZK, was 13 % des Anschaffungspreises sämtlichen Anlagevermögens darstellte. Diese Vorteile jedoch allmählich schwinden und sind andererseits teilweise durch schlechtere Stufe der Verwertung der Eingangsrohstoffe, Brennstoffe und Energien sowie durch binnenländische Lage ohne Wassertransportwege und durch allgemein steigenden Preis der Leistungen kompensiert, von denen Stahlindustrie als Abnehmer abhängig ist. Zur Vorteilhaftigkeit des Exportierens trugen auch Kurs der Währung und Preisniveau auf den Auslandsmärkten bei. Erhaltung festen Kurses der Krone bei höherer Inflationsrate als in den Ländern, wohin der größte Teil des Exports zielte, hat jedoch diesen Einfluß schnell erschöpft.
Im Rahmen der aus den PHARE-Mitteln finanzierten Nichtinvestitionshilfe wurde vom Konsortium ausländischer Beratungsfirmen eine Strukturveränderungsstudie ausgearbeitet. Diese Studie sollte Grundlage des Regierungsprogramms der Strukturveränderung des Hüttenwesens in der Tschechoslowakischen Föderativen Republik sein. Sie setzte Senkung des Produktionsvolumens auf ca. 50 % der Produktion im Jahre 1990 voraus, d.i. ca. 8 Mio. t. Außerdem sollten noch die Studie über Strukturveränderung der Erzeugung von Rohren, Flacherzeugnissen aus AK-Stählen und "OTN-Stählen" (spezielle Stähle für Elektrotechnik) und Studie der Langerzeugnisse aus Edelstählen ausgearbeitet werden.
Die Studie des Konsortiums setzte die Kosten der Strukturveränderung für das Hüttenwesen der ganzen Tschechoslowakischen Föderativen Republik von 80 Mrd. CZK voraus, davon 15 Mrd. für Ökologie. Sie schließ jedoch nicht die Kosten bzw. Saldo der Kosten und Erträge ein, der mit der physischen Liquidierung der unbrauchbaren Kapazitäten in der Höhe verbunden ist, die man auf 5 bis 10 Mrd. CZK abschätzen kann. Diese Sorge könnte man zwar teilweise auf künftige Generationen übertragen, aber man kann jedoch diese ohne Lösung nicht beachten.
Sie zog in Betracht auch Erniedrigung des Beschäftigungsgrades von 162 Tsd Personen im Jahre 1990 auf 79 Tsd Personen. Bereits im Jahre 1991 wurde der Beschäftigungsgrad auf 149 Tsd Personen herabgesetzt.
Bei Strukturveränderung erschienen als die meist bedeutend die Fragen des Erwerbs der nötigen Finanzmittel und Lösung des sozialen Problems von ca. 70 Tsd freigelassenen Arbeitskräfte. Das soziale Problem ist ernst auch deswegen, daß es die Regionen mit Konzentration der Kohlenindustrie und des Schwermaschinenbaus betrifft, die ähnlicherweise wie Stahlindustrie großen Umfang der sozialen Probleme hervorrufen, die aus den Folgen deren eigenen Strukturveränderung hervorgehen.
Die Studie der Strukturveränderung schlug auch vor:
- Stillegung sämtlicher SM-Öfen und Tandemöfen,
- Stillegung von 3 Hochöfen,
- Stillegung von 5 Blockstraßen und einer
Brammenstraße,
- Stillegung von 19 Fertigstraßen für Walzen von Profilen,
Flacherzeugnissen und Rohren.
Den Zeitabschnitt seit 1989 bis zum Zerfall der Föderation kann man aus der Sicht der Entwicklung der Stahlherstellung in der ehemaligen Tschechoslowakischen Föderativen Republik in zwei Etappen teilen. In der ersten Etappe bis zum Mai 1991 kam es zu keinem beträchtlichen Rückgang der Produktion, trotzdem bereits in den Abnehmerzweigen in der zweiten Hälfte des Jahres 1990 die Absatz- und Produktionskrise zum Ausdruck kam. Ab Juni 1991 waren ihre Folgen auch im Hüttenwesen völlig bemerkbar. Dieses war nicht mehr fähig, die Ausfälle der inländischen Nachfrage nach Stahl und Stahlprodukten durch erhöhte Exporte zu kompensieren. Dadurch kam es zum heftigen Rückgang der Stahlproduktion in der zweiten Hälfte des Jahres 1991. Schrumpfung des Innenmarktes setzte im Jahre 1992 fort. Über den Einfluß des Zerfalls des RGW-Marktes braucht man nicht ausführlich zu sprechen, dieser hat nicht nur direkte Ausfuhr des Hüttenmaterials sondern auch indirekte Ausfuhr infolge radikalen Rückgangs der Absatzmöglichkeiten des Maschinenbaus beider Republiken beeinflußt. Vom Ausfuhrvolumen des Walzgutes und der Rohre in die ehemaligen RGW-Länder von rund 2 Mio. t ist praktisch nichts mehr exportiert worden. In dieser Periode nahm das Hüttenwesen im Rahmen der ökonomischen Reform grundlegende Schritte beginnend mit Entnationalisierung mit dem anknüpfenden Prozeß der Privatisierung auf. Es wurden unabhängige Handelsgesellschaften anstatt früherer staatlicher Unternehmen gegründet.
Den Weg der Kompensation interner Absatzprobleme durch Ausfuhrerhöhung ermöglichten die bereits angeführten komparativen Vorteile, die ermöglichten, Hüttenmaterial für manchmal um ca. 15 bis 20 % niedrigere Preise als diejenigen in der Welt üblichen Preise zu exportieren. Deshalb war es möglich, bei einigen Sorten Ausfuhr auch nach Fernen Osten zu realisieren. Dieser Zustand keinesfalls bedeutete, daß zu dieser Zeit die Erzeugnisse unter dem Niveau deren Produktionskosten exportiert würden, im Gegenteil war es möglich, für die Preise zu exportieren, die niedriges Kostenniveau ermöglichte, und auch Lieferungen den inländischen Abnehmern erfolgten für die analogisch vorteilhaften Preise.
Entgegengesetzte Entwicklung des Exportvolumens und der Binnennachfrage und Beeinflussung der Produktionsentwicklung sind daraus ersichtlich, daß die Walzgutlieferungen für den inländischen Verbrauch aus eigener Produktion von 7,9 Mio. t im Jahre 1990 auf 4,7 Mio. t im Jahre 1992, d.i. um 47 % fielen. Im demselben Zeitabschnitt dagegen stieg Walzgutexport vom 3,1 Mio. t im Jahre 1990 auf 4,3 Mio. t an. Der Unterschied spiegelte sich in Senkung der Produktion um ca. 2 Mio. t Walzgut ab.
| Die Spaltung der Föderation führte vom Gesichtspunkt der Struktur der Walzguterzeugung zur grundsätzlichen Polarisierung der Produktion zwischen beiden, seit dieser Zeit selbständigen Republiken: - in der Tschechischen Republik überwog bedeutend Produktion von Halbzeugen und Langerzeugnissen (ca. 75 %), - in der Slowakischen Republik werden nur Flacherzeugnisse erzeugt. |
Strukturänderungen und Wirkung der Marktwirtschaft kamen zum Ausdruck meist bedeutend vielleicht in Produktion von Stahlrohren. Während in der Tschechischen Republik und der Slowakischen Republik im Jahre 1989 insgesamt 1580 Tsd t von Stahlrohren hergestellt wurden, sank deren Produktion gleichmäßig in beiden, jetzt selbständigen Republiken auf 46,8 % im Jahre 1993. Auch die Struktur der Rohrherstellung hat sich geändert. Anteil der Produktion der nahtlosen Rohre an der Gesamtproduktion der Stahlrohre änderte sich von fast 70 % im Jahre 1989 auf 55 % im Jahre 1993.
Tschechische sowie slowakische Erzeuger der Stahlrohre hat der Marktzusammenbruch in den ehemaligen UdSSR-Ländern beträchtlich betroffen, wohin rund 400 Tsd t Stahlrohre jährlich exportiert wurden. Es ist nicht gelungen, diese Märkte weder zu erneuern noch die bedeutenden Forderungen für die bereits realisierten Lieferungen restlos zu lösen.
Zusammenbruch des Rohrmarktes bei unseren östlichen Nachbarn erhöhte begreiflich den Druck auf Export in die Länder der Europäischen Union. Das hatte Verkündung des Antidumpingsverfahrens für einige Sorten der nahtlosen Rohre von der EU-Kommission am Ende des Jahres 1992 zur Folge.
Ein bedeutender Faktor der Entwicklung der Stahlindustrie waren die Änderungen im Innenverbrauch.
Ein sehr bedeutungsvoller Fakt war der bereits zitierte Zerfall des RGW und dadurch auch Zusammenbruch des Exports ganzer Zweige (Elektronik, Schwer- und allgemeiner Maschinenbau) in diese Länder, vor allem in die ehemalige UdSSR. In meisten Zweigen ist es nicht gelungen, mit Bezug auf die Bedingungen auf dem Weltmarkt und auch mit Rücksicht auf die Qualität der Erzeugnisse, die Ausfuhr auf andere Territorien zu umorientieren.
Man muß dessen bewußt sein, daß einige Zweige bis 90 % ihrer Produktion auf den osteuropäischen Märkten realisierten.
Darüber hinaus ändern sich allmählich die Eigentumsbeziehungen in der ganzen Ökonomik. In der Föderation verlief schon die erste Runde der Kuponprivatisierung so, daß die Hüttenbetriebe in der Slowakischen Republik bereits in dieser Runde bedeutend privatisiert wurden, während die Hüttenbetriebe in der Tschechischen Republik erst in der zweiten Privatisierungsrunde an die Reihe kamen. Der Innenmarkt wird von starken ausländischen.
Gruppen der Hersteller von Maschinen und Einrichtungen beliefert, die bei Modernisierung der Produktion unserer Betriebe bevorzugt werden.
Infolge dessen sowie einer Reihe von weiteren Faktoren (Spaltung des Staates u.ä.) sank die industrielle Produktion in 1991/1992 um ca. 20 % im Vergleich mit dem Jahre 1990, um weitere 5,6 % im Vergleich mit dem Jahre 1992. Die Langfristprognosen setzten Erhöhung der industriellen Produktion ab 1996 auf eine ziemlich rasante Weise so voraus, daß sie im Jahre 2000 ca. 95 % des Niveaus im Jahre 1990 erreichen sollte, aber in einer wesentlich abweichenden Struktur (Anstieg des Verbrauchs seitens der Automobilfabriken, des Transportingenieurwesens, des allgemeinen Maschinenbaus, der Herstellung von Transportmitteln, Rückgang bei dem Schwermaschinenbau, den metallverarbeitenden Zweigen).
Wie sich das Volumen des heimischen Verbrauchs in der Tschechischen Republik und in der Slowakischen Republik änderte, kann man auf dem Beispiel des Walzgutes und der Rohre anführen. Der Gesamtverbrauch, d.i. einschl. der Halbprodukte für Stahlrohrherstellung sank von 8,1 Mio. t im Jahre 1990 auf 4,36 Mio. t im Jahre 1992, was den Rückgang um 46 % bedeutet.
Die Stahlindustrie hielt diesen Änderungen stand so, daß die vom Gesichtspunkt der Exportstruktur früher indirekte Stahlausfuhr des in Erzeugnissen der Verarbeitungszweigen enthaltenen Stahls durch direkte Ausfuhr der Stahlerzeugnisse ersetzt wurde, wo Penetration auf die Territorien des Weltmarktes gelungen ist. Aus der Sicht der Marktökonomik kam es zwar zur unerwünschten Halbzeugausfuhr, andererseits war es jedoch ein Schritt, der unbestritten zur Währungsstabilität beitrug. All das geschah ohne Subventionierung der Stahlindustrie und Export stieg viel schneller in die Territorien außerhalb der Europäischen Union an.
Entwicklung des Stahlverbrauchs in den Jahren 1990 bis 1992
Angaben in kt
| Jahr | 1990 | 1991 | 1992 |
| Produktion der Tschechischen Republik + der Slowakischen Republik | 10 989 | 9 231 | 9 047 |
| Gesamtverbrauch einschl. Halbzeuge für Herstellung der Stahlrohre und weiterer Erzeugnisse | 8 100 | 5 210 | 4 360 |
| davon: Verbrauch für Herstellung der Rohre und weiterer Erzeugnisse | 3 000 | 2 180 | 1 560 |
| Verbrauch für übrige Zweige insgesamt | 5 100 | 3 030 | 2 800 |
| EXPORT | 3 058 | 4 021 | 4 360 |




